← Alle Beiträge MittwochsMail

Freiheit vs. Höhenangst 🏔

Angela & Dieter Ehrenreich

Schönen Mittwoch,

vor ein paar Wochen haben wir nach den größten Herausforderungen gefragt und viele Antworten bekommen. Und wir haben angekündigt auf ein paar Themen in den MittwochsMails einzugehen.

Wir möchten aus unserer Sicht auf eine Mail antworten, die ein Thema aufgreift, dass viele Paare haben:

“Für uns ist momentan die Kommunikation die größte Herausforderung. Ich (als Sender) versuche alles in für mich verständliche Worte zu verpacken. Bei meinem Partner (als Empfänger) kommt es jedoch oft ganz anders oder unverständlich an.

Wir versuchen eine Erklärung aus unserer Erfahrung und unserer Sicht:

Wir gehen davon aus, dass es sich nicht um eine objektiv beurteilbare Situation handelt (“regnet es gerade, oder nicht”), sondern um eine Situation oder Thema, das eine subjektive Betrachtungsweise zulässt.

Viele Paare fallen in diesen Situationen in einen Wettstreit der Argumente und es geht primär darum: Wer kann wen überzeugen? Wer versteht besser? Wer hat recht? Das lässt sich aushalten, wenn es sich einfach um unterschiedliche Ansichten handelt, wenn es aber darum geht, wie es jemandem geht, dann wird das schwierig. Wie können wir damit umgehen?

Zu allererst hilft es anzuerkennen, dass jeder in seiner eigenen emotionalen Wahrnehmung recht hat.

Dazu haben wir ein Beispiel: Zwei Menschen besteigen gemeinsam einen Berg. Der eine erlebt dort oben die ultimative Freiheit. Weite Sicht, der Wind um die Nase, keine Störungen: all das führt zu einem Empfinden von Freiheit. Der andere leidet an Höhenangst: Für ihn ist nichts wunderbar. Es ist steil, der Sturm schafft zusätzlich Unsicherheit und zu allem Überfluss ist auch weit und breit keine Hilfe in Sicht.

Keiner der beiden kann den anderen von der Richtigkeit seiner Gefühle überzeugen. In der individuellen, persönlichen Wahrnehmung hat jeder recht.

Im nächsten Schritt hilft es dann diese emotionalen Wahrnehmungen (die Gefühle) des anderen anzuerkennen und “sein lassen zu können” (auszuhalten, was erzählt wird, ohne einen Appell oder eine Kritik zu hören). Vielleicht gelingt es sogar mit einer interessierten, zugewandten Grundhaltung, dem anderen dafür zu danken, dass er/sie diese Gefühle teilt und ihn/sie zu ermutigen mehr zu erzählen. Man kann den anderen nämlich nicht von der (einzigen) Richtigkeit der eigenen Gefühle überzeugen, man kann aber teilen, wie es einem geht und so kann man als Paar mehr und mehr vom Innenleben des anderen kennenlernen. Das schafft aus unserer Erfahrung mehr Nähe, mehr Vertrautheit und mehr Verständnis in der Beziehung.

Probiere doch mal, ob dir diese Herangehensweise bei den Menschen, die dir nahe sind, gelingt!

Wir wünschen Dir eine schöne Woche,

Alles liebe, Angela & Dieter