Die Erschütterung 😰
Schönen Mittwoch,
wie letzte Woche geschrieben starten wir in unsere neue Mailaktivität mit den „5 Fragen, die uns in der Beratung nach Außenbeziehungen am Öftesten gestellt werden“.
Deine Eintragung in die Liste ist nun doch schon eine Zeit lang her und vermutlich bist Du gerade über die erste Phase schon hinweg. Schilderungen, wie die untenstehende hören wir regelmäßig:
Ich habe im Moment das Gefühl, dass ich neben mir stehe. Es sind körperliche Leiden wie Kopfschmerzen und Übelkeit. Die ersten 48 Stunden nach der “Beichte” waren hart. Schlaflose Nacht, schlimmer Tag danach. Zu Hause funktionieren müssen, weil die Kinder (9 und 6 Jahre alt) von all dem nichts mitbekommen sollen und man für sie auch da sein will / muss.
Seit Jahren haben wir nicht mehr so intensiv geredet. Am 2. Tag ist dann etwas mit mir passiert. Wir haben rumgemacht wie Teenager. Seit Sonntag können wir die Finger nicht mehr voneinander lassen. Wie soll ich damit umgehen?
Aus unserer Erfahrung sind beide Partner in den ersten Tagen nach dem Auffliegen eines Seitensprungs schockiert. Der oder die Hintergangene vermutlich deshalb, weil die Lebensrealität plötzlich in Frage gestellt wird. Es geht ein Spannungsfeld zwischen „dem liebevollen Bild“ vom Partner und dem „Lügen und Betrügen“ auf, das für die meisten schwer handzuhaben ist.
Auch der Aufgeflogene ist oft schockiert, weil er sich einer Situation stellen musste, die er vermutlich so auch nicht wollte und von der er dachte, sie kontrollieren zu können. Beiden ist gemeinsam, dass sie den Eindruck haben, dass „alles außer Kontrolle“ gerät.
Die Anzeichen von Schock sind vielfältig: Das Gefühl des gelähmt Seins, das Neben-sich-Stehen, Übelkeit, Sprach-, Schlaf- und/oder Appetitlosigkeit gehören unserer Erfahrung nach oft genauso dazu, wie neues Interesse am Anderen und wiedererwachende Sexualität.
Oft hören wir in dieser Phase von Schock und Kränkung. Fast alle wissen nicht, ob und wie sie in Zukunft damit umgehen können und das darf zu diesem Zeitpunkt auch so sein. Die Spannung zwischen „ich liebe ihn/sie über alles“ und „ich weiß nicht, ob ich damit umgehen kann“ ist völlig normal.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es als Hintergangene wichtig ist, zu dem Zeitpunkt gut für sich selbst zu sorgen. Es hilft, wenn man Sachen macht, die einem gut tun: Treffen mit Freundinnen, spazieren oder ins Kino gehen, sich in die heiße Badewanne legen – alles was Kraft und Energie gibt, ist gesucht und erwünscht.
Wir hoffen, Du bist gut durch die Schockphase gekommen – was hat Dir am besten geholfen?
Alles liebe, Angela & Dieter