Nähe oder Distanz? 📏
Schönen Mittwoch,
wir waren erfreut und überrascht darüber wie viele Reaktionen unsere letzten Newsletter zum Thema Selbst- und Co-Regulation hervorgerufen haben und die Frage, die mit Abstand am meisten aufgeworfen wurde, war folgende:
Wie funktioniert es, wenn im Konflikt in einer Beziehung einer die Distanz, den Rückzug oder die Flucht zur Selbstregulierung wählt und der andere bräuchte Nähe und Gespräche.
Wie kommen diese beiden wieder zusammen?
Das ist tatsächlich der Knackpunkt in der Geschichte.
Für diejenigen, die die Distanz brauchen, ist es leichter: denn sie regulieren ja über Abstand (örtlich wie zeitlich) und sind in der Konfliktsituation die Dominierenden: Ich kann schließlich niemanden in eine Umarmung oder ein Gespräch zwingen. Insofern ist es für diese leichter zu regulieren ohne dabei auf den Partner angewiesen zu sein.
Für diejenigen, die Nähe und Gespräch brauchen, ist es deutlich schwieriger, mit der Situation umzugehen. Sie müssen viel intensiver für sich erarbeiten, wie es Ihnen gelingen kann, selbst und ohne die Umarmung des Partners wieder innerlich zur Ruhe zu kommen.
Insofern ist Co-Regulation immer eine Folge einer guten Selbstregulation.
Was kann ich für mich tun, dass ich mich wieder beruhige?
Für die, die Nähe brauchen, ist es meist hilfreich, sich selbst zu umarmen, sich tröstende innere Bilder zu Recht zu legen, ein heisses Bad zu nehmen, nährende Düfte, Musik, Nahrungsmittel sich zuzuführen. Was auch immer für einen selbst funktioniert um wieder mehr in die eigene Mitte zu kommen.
Wenn das beide für sich gut wissen und regulieren können, dann sind wir nicht mehr so sehr aufeinander angewiesen und brauchen auch einander nicht mehr so sehr zur Regulation. Wenn wir um diese Mechanismen wissen, fallen vor allem auch der Kränkungsmoment (auf der Seite des Bindungsbedürftigen) und der „sich unter Druck fühlen“-Moment (auf der Seite des Distanzbedürftigen) weg - welche Erleichterung!
Es ist sehr oft eine lange Reise innerhalb der Paarbeziehung, dies so miteinander zu lernen, dass es für beide gut zu halten ist. Und ja: insofern ist das Darüberreden wohl das Wichtigste an dem Ganzen. Wir können einander nicht „abnehmen“ die eigene emotionale Regulation gut zu meistern. Aber wir können den Umgang mit Konflikten so miteinander lernen, dass sie uns nicht „auseinanderzerren“.
In der nächsten Mittwochsmail werden wir auf den Eskalationspunkt in den unterschiedlichen Bedürfnisformen eingehen und darauf, wie es uns als Paar gelingen kann, die Eskalationsspirale nicht immer noch weiter hinauf zu drehen.
Alles liebe, Angela & Dieter